zu Besuch im Antiquariat: Andreas Brandhorst

Planas BuchantiquariatNormalerweise findet ihr an dieser Stelle kleine Prosatexte, in denen Herr Plana mit seinen Gästen plaudert. Heute ist Andreas Brandhorst zu Gast. Er kann der Form des „Storytelling-Interviews“ leider nicht viel abgewinnen, weil ihm das zu sehr von der Person ablenke. Deshalb verzichte ich im Sinne meines Gastes darauf und beschränke mich auf die schlichten Fragen.

 

Frage:
Sie haben lange Zeit Terry Pratchett (und auch andere Autoren) übersetzt. Hat Sir  Pratchett Sie in Ihrer eigenen Art zu schreiben beeinflusst? Sind ihre eigenen Werke zum Beispiel philosophischer oder gar humoristischer geworden?

Antwort:
Terry Pratchett zählt zu den besten Schriftstellern der Welt, und nach den vielen von mir übersetzten Scheibenweltromanen wäre es gelogen zu sagen, dass er mich nicht beeinflusst hat. Jedes gute Buch hinterlässt Spuren – auf meiner Webseite habe ich darüber geschrieben, zum Beispiel hier: http://andreasbrandhorst.de/buecher-die-mich-beeindruckt-haben/ -, und die Bücher von Terry waren bzw. sind wirklich ausgezeichnet. So habe ich immer wieder über seine Fähigkeit gestaunt, zwei Personen auf einer Buchseite zu charakterisieren und lebendig werden zu lassen, manchmal nur durch ihren Dialog! Ich bedauere seinen Tod sehr. Über viele Jahre hinweg haben wir in Kontakt gestanden und uns ausgetauscht. Dass jemand wie er, einer der hellsten Köpfe überhaupt, ausgerechnet an Alzheimer sterben musste, hat mich sehr bestürzt. Welch eine bittere Ironie des Schicksals! Um auf die Frage zurückzukommen: Nein, philosophischer oder gar humoristischer sind meine Werke dadurch nicht geworden, aber vielleicht tiefgründiger.

Frage:
Die Leserbewertungen bei Terry Pratchetts Büchern sprechen eine deutliche Sprache: Seine letzten Werke sind im Durchschnitt schlechter bewertet worden. Liegt’s an den neuen Übersetzern oder an der Erkrankung Pratchetts?

Antwort:
Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich kenne die Originale nicht, aber ich weiß, dass Terry Pratchetts Werke viele Klippen enthalten, die schwer zu umschiffen sind, und ich weiß auch, wie viel manchmal im Verlag noch am Text geändert wird. Terrys Erkrankung hat sicher eine Rolle gespielt, kein Zweifel.

Frage:
Ihre Kantaki-Romane waren Ihr Durchbruch in der Science Fiction. Zuvor sind sie als Autor von Heftromanen in Erscheinung getreten. Ihr Spektrum im Genre ist weit gesteckt. Der Hype geht aber im Augenblick mehr Richtung Star Wars. Können Sie dieser Art Storys etwas abgewinnen?

Antwort:
Als Autor von Heftromanen bin ich vor 40 Jahren in Erscheinung getreten – den letzten Heftroman habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, vor etwa 35 Jahren geschrieben. Seitdem ist viel geschehen. Ich habe viel übersetzt und den Schwerpunkt meiner Arbeit zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder auf das eigene Schreiben gelegt. Aber natürlich mit ganz anderen Voraussetzungen und einer ganz anderen Herangehensweise. Dass Star Wars derzeit enormen Erfolg hat, war vorauszusehen, aber er wäre falsch zu glauben, das würde eine Entwicklung auf dem Buchmarkt widerspiegeln. Dem ist nicht so. Die literarische SF bewegt und entwickelt sich unabhängig von SF-Filmen. Meine Romane sind anders aufgebaut als ein Star-Wars-Film, und es geht dabei auch um andere Themen – zum Glück sind sie erfolgreich genug, dass ich davon leben kann. Natürlich mag ich Star Wars, was da auf der großen Leinwand gezeigt wird, ist schon sehr beeindruckend. Aber es gibt einen SF-Film, der mich noch mehr beeindruckt hat: Interstellar. Die Figurenzeichnung von Vater und Tochter fand ich bemerkenswert gut gelungen; der Film hat mich tief bewegt.

Frage:
SciFi erhebt ja oft den Anspruch Spiegel unserer Zeit zu sein. In wie weit trifft das auf Ihre Romane zu? Oder haben Sie eine andere Intention beim Schreiben?

Antwort:
William Faulkner hat in seiner Nobelpreisrede gesagt, das Einzige, worüber es zu schreiben lohne, sei das menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst. George R. R. Martin hat in einem Interview diese Worte von Faulkner zitiert und gemeint, dass es in erster Linie um die Figuren gehe – alles andere sei Kulisse. Recht hat er. Mir geht es immer um die Romanfiguren, und oft konfrontiere ich sie mit Dingen, die mich beschäftigen, wie zum Beispiel Unsterblichkeit und Maschinenintelligenz wie in „Das Schiff“, im Oktober 2015 bei Piper erschienen. Anders ausgedrückt: Ich schreibe immer über Menschen, auch wenn es um Aliens geht.

Frage:
Thomas Lockwood, Robert Lamont, Andreas Werning, Andreas Weiler und Horst Brand. Das sind allerhand Namen für ein und die selbe Person. Hat es einen Grund, dass sie so viele Pseudonyme zulegten?

Antwort:
Diese Pseudonyme hat ein anderer Andreas Brandhorst benutzt, vor 35 Jahren, als er Heftromane schrieb. Aber da ich seit damals keine Heftromane mehr schreibe, benutze ich auch keine Pseudonyme mehr. Der Andreas Brandhorst von heute, der dieses Jahr 60 wird, kommt seit vielen Jahren ohne sie aus.

 

Andreas Brandhorst im Web: http://andreasbrandhorst.de/
und auf Facebook: https://www.facebook.com/andreas.brandhorst.autor

 

Vielen Dank für das Interview.

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