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Nachlese: Herr Plana auf der Buchmesse

Eigentlich mag ich ja die Stille, die Ruhe und den Ohrensessel in meinem Antiquariat. Aber meine Bea meinte, dass ich mich wenigstens aus beruflichem Interesse mal in die Ferne wagen solle. Also hat sie mich in meinen alten Käfer gesetzt, mir Frankfurt auf der Landkarte gezeigt und mich Richtung Süden geschickt. Das Gedränge war wirklich nicht meins. Diese Marktschreierei im Namen der Literatur entspricht nicht meiner Mentalität. Und diese allgegenwärtigen verkleideten Leute, diese Cosplayer, schienen Realität mit Fiktion zu verwechseln (was sie mir aber eigentlich richtig sympatisch machte).

Ich wollte gerade gehen, da fand ich diese Abteilung mit antiquarischen Büchern. Ab diesem Moment war es um mich geschehen …

alte Bücher
Wurderbar erhalten. Ein Schmuckstück in der antiquarischen Abteilung
Galaries Historiques de Versailles
Würde in Planas Buchantiquariat einen Ehrenplatz bekommen
Terry Pratchett als Buchstütze
Terry Pratchett als Buchstütze. Nicht antiquarisch – aber schön anzusehen.
Buch mit Schließen
Dieses Buch wird ein paar Kilo wiegen. Herrlich anzusehen!
History of England
History of England
Geschnitzte Bücher
Holzbücher für Holzköpfe? Nein, das ist Kunst.
Kunst im Buch
Kunst im Buch als Sonderformat, damit die Bilder in Originalgröße dargestellt werden können.

 

Erotik in Büchern

Nun greifen wir tief in die Schublade, schieben die gewissen Hochglanzmagazine zur Seite und setzen uns die roten Ohren auf. Denn das verbotene Wort „Sex“ wird auch in der Literatur gebraucht. Böse Zungen behaupten sogar, dass sich bestimmte Bücher nur gerade deswegen verkaufen lassen.

Wir wollen das nicht. Uns interessiert selbstverständlich die Handlung des Romans. Wenn von Charlotte Roche bis Jean M. Auel so viele Autoren bereit sind, hinter die Schlafzimmertür zu schreiten, müssen wir ihnen ja nicht folgen. Blättern wir ganz schnell über die betreffende Stelle hinweg und schauen lieber, was danach Wichtiges passiert.

Okay. Kommando zurück. Wir sind schließlich alle erwachsen. Von Bienchen und Blümchen muss uns niemand mehr erzählen. Erotik hat nicht nur mit Fortpflanzung zu tun.  Warum also nicht darüber schreiben?

„Oh ja. Oh! Jaaa.“ Bei mir läuft gerade das Hörbuch von Ken Follett. „Die Säulen der Erde“. Ganz ehrlich? Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn mir die „gewissen“ Szenen vorgelesen werden.
Man stelle sich die Sprecher im Studio vor: Wie sie vor dem Mikrophon sitzen und in bester Nullhundertneunzig-Manier stöhnen und keuchen sollen. Sie schmatzen auch!
Hinter der Scheibe des Toningenieurs ist in jenem Augenblick der Regisseur nach Luft japsend vom Stuhl gekippt. Ganz blau angelaufen ist er. Lachkoller können weh tun!

Bleiben wir bei diesem Beispiel: Hätte der Roman über den Bau einer Kathedrale ohne Sexszene anders ausgesehen? Vermutlich nicht. Aber etwas Intimität mit den Protagonisten darf ruhig sein. Das macht Stimmung. Es vertieft die Bindung. Wir können uns leichter mit den Menschen zwischen den Zeilen identifizieren, wenn wir ihn auch in intimste Bereiche begleiten. Tabus sind ja auch gar nicht nötig. Da ist nur der Leser mit seinem Buch …

Stellen wir also fest: Tabus sind wirklich nicht nötig. Nicht bei den „Säulen der Erde“.
„Oh ja. Oh! Jaaa.“ Die gleiche wörtliche Rede hätte natürlich auch auf dem Lokus passieren können. Ganz ohne Sex. Der Prior der Kathedrale hatte nämlich bestimmt Verstopfung und Hämorrhoiden. Er freut sich so, dass …

Halt!
Nein, sooo sehr wollen wir uns mit dem Protagonisten denn doch nicht identifizieren …